Urbildhaftes Christgeburtsspiel

Krippenspiele gibt es einige zu sehen in der Weihnachtszeit. Eine Besonderheit ist das Oberuferer Christgeburtsspiel, das am 18.12.2014 an der Freien Waldorfschule in Sankt Augustin-Hangelar zum 23. Mal zur Aufführung kam. 

Die Requisiten sind spärlich, die Sprache volkstümlich und einfach, die Kostüme schlicht und überzeugend. Mit viel Hingabe und jugendlichem Gemüt setzen Waldorfschüler die Geschichte rund um die Geburt Christi in Szene, unterstützt von Lehrer Manfred Roge. Die Soli die sie singen, berühren. Die elfköpfige Kumpanei der Klasse 11 erzählt in einer sehr berührenden Art die Geschichte rund um die Geburt Christi. 

Jedes Jahr gibt es zwei Aufführungen, das Publikum könnte nicht unterschiedlicher sein. Bei der öffentlichen Abendvorstellung am 18.12.2014 geht es ruhig und andächtig daher. Etwa 250 Interessierte, Eltern, Ehemalige, Bekannte und Verwandte finden den Weg in den Emil-Molt-Saal. Das Publikum der schulinternen Vorstellung am 19.12.2014 vor den eigenen Schulkameraden der Klassen 1-13 ist lebendig und fröhlich. Bei den gesungenen Soli ist auch schon mal ein Kichern zu hören, die Kleinen amüsieren sich über den Witz der Hirten Gallus, Stichl, Witok und Engel Gabriel wird beim Gesang begleitet:

Vom himel hoch, da kum i her,
I bring eng guate neue mär,
Der guaten mär bring i so vül,
Davon i sing'n und sagen wüll.

Auch wenn nicht jeder die recht fremdartig und altmodisch anmutende, schlichte und ursprüngliche Mundart versteht, sprechen die dargestellten Bilder und Gesänge für sich: das Geschehen in der Heiligen Nacht und die übergroße Freude der einfachen Hirten, die von der Geburt des Kindes als Erste erfahren.

Ihren Ursprung haben die Oberuferer Weihnachtsspiele im 13. und 14. Jahrhundert, weit verbreitet waren sie im 17. Jahrhundert. Die Spiele sind benannt nach dem Dorf "Oberufer" auf der Donauinsel Schütt in der Nähe von Preßburg (Bratislava). Von Generation zu Generation wurden sie mündich überliefert, Mitte des 19. Jahrhunderts von Karl Julius Schröer als Kostbarkeit der Volkskunst gesammelt. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und der ersten Waldorfschule 1919 in Stuttgart, überarbeitete die Spiele, seit 1910 werden sie regelmäßig gespielt. Insbesondere an Waldorfschulen haben die Oberuferer Weihnachtsspiele Tradition, die erste Aufführung an der Stuttgarter Waldorfschule fand 1920 statt. 

Das Christgeburtsspiel ist eine überzeugende und stimmungsvolle Einstimmung für eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und verbindet Vergangenheit und Gegenwart mehr denn je. Und so verabschiedet sich die elfköpfige Kumpanei mit den Worten: "So wünschn ma von God, dem allmächtigen, A recht guate nåcht."

Das Oberuferer Christgeburtsspiel ist Teil einer Trilogie. Das Dreikönigsspiel › wird am 8.1.2014 von Eltern, Lehrern und Ehemaligen an der Waldorfschule aufgeführt. 

Bilder des Christgeburtsspiel gibt es hier › zu sehen.